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PRESSE

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9.September:

pep. FRANKFURT. Jung, jünger, am jüngsten - die neue Welle im deutschen Profifußball hat die Branche heftig durchgerüttelt. Doch wie steinig gestaltet sich der Weg eines Nachwuchsspielers, bis er tatsächlich sein Berufsziel erreicht hat? Die auf DVD erschienene Dokumentation "Hauptsache Fußball - Junge Profis auf dem Weg ins Spiel" widmet sich über 140 fast durchweg informativen Minuten diesem Thema. Wer hintergründige Berichterstattung im deutschen Fernsehen vermisst und Sendungen wie dem "Sport-Spiegel" oder "Sport unter der Lupe" hinterhertrauert, ist bei dieser DVD (erhältlich im Fachhandel) bestens aufgehoben.

Die Filmemacher Andreas Bach, Marco Jankowski und Burkhard Vorländer lassen viele Beteiligte in Interviews zu Wort kommen – von den Koordinatoren der Jugend-Leistungszentren von Borussia Dortmund, dem FC Schalke 04, Bayer Leverkusen etwa über Ikonen der Nachwuchsförderung wie Hermann Gerland (Bayern München) und diversen Jugendtrainern hin zu einigen Jungprofis. Darunter ist einer wie Holger Badstuber, der es beim FC Bayern München zum Stammspieler und - wie Gerland mit großer Selbstverständlichkeit erwähnt - deshalb zwangsläufig zum Nationalspieler gebracht hat, aber ebenso viel Raum nehmen der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Spieler wie Niclas Heimann, Robin Himmelmann und Davide Leikauf ein. Dass es meistens nicht von heute auf morgen für den großen Profifußball reicht, sondern eine lange Anlaufzeit vonnöten ist, muss deren Spielerberater Jörg Neblung seinen Klienten dabei immer wieder deutlich machen.

Wie wichtig eine sorgfältige Karriereplanung ist, zeigt der Film sehr plastisch - wie sehr sie manchmal von Zufällen abhängig ist, verschweigt er allerdings auch nicht. Etwa im Fall von Stefan Reinartz, der deshalb in Leverkusen landete, "weil mich halt ein Bayer-Scout gesehen hatte. Ansonsten hätte es auch anders laufen können".

Der zweite Handlungsstrang des Films – die Begeisterung der Filmemacher für Fußball - irritiert zuweilen, weil der Besuch des Champions-League-Finales des FC Bayern etwa wie ein überflüssiger Anhang wirkt. Wie vergänglich das Profigeschäft aber sein kann, wird bei den Interviews mit dem damals noch in Mönchengladbach tätigen Trainer Michael Frontzeck und dem Borussen-Sportdirektor Max Eberl deutlich. Geradezu komisch wirkt im Nachhinein die Begeisterung des Bayern-Teammanagers Christian Nerlinger über Louis van Gaal, sie entlarvt aber das Geschäft.

Emotional wird es vor allem im Bonusmaterial beim ungeschnittenen Interview mit Gerland."Profifußballer sind auch nur Menschen", sagt im Film eine begeisterte Anhängerin nach einem Trainingsbesuch in Bremen. Das aber scheint manchmal in Vergessenheit zu geraten.

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